01.07.2016

Von Pac-Man und Lara Croft

Neuer Ausstellungsbereich im Heinz Nixdorf MuseumsForum zum 20. Jubiläum

Wenn der gelbe Pac-Man über den Bildschirm läuft, Lara Croft sich durch den Dschungel kämpft oder Super Mario springt und rennt, werden bei vielen Menschen alte Erinnerungen an die ersten Computerspiele wach. Diese Erinnerungen können Besucher ab sofort im Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF) auffrischen.

In einem neuen Ausstellungsbereich können sie nicht nur historische Spiele ausprobieren. Auch ein moderner Gaming PC steht bereit. Eine besondere Attraktion ist ein original Arcade-Automat von 1981. Damit haben damals viele Spielefreaks ihre ersten Erfahrungen gesammelt. Die Geräte standen in Spielhallen und Kneipen und boten für wenig Geld ein völlig neues Spielerlebnis. Und noch heute fasziniert die einfache Grafik und simple Bedienung, wenn es gilt, bei "Space Invaders" möglichst viele Raumschiffe in kurzer Zeit abzuschießen.

Weitere Klassiker des Genres stehen im Museum zum Spielen bereit. "Damit wollen wir bei Zeitgenossen sentimentale Erinnerungen auslösen und den jüngeren Besuchern anschaulich zeigen, mit welcher rudimentären Technik in früheren Jahrzehnten Begeisterung geweckt wurde", beschreibt HNF-Geschäftsführer Dr. Jochen Viehoff die neue Abteilung.

Die Anfänge der Computerspiele gehen in die 1950er-Jahre zurück. Der Maschinenbaustudent Roderich Gräff baute 1951 an der TH Darmstadt mithilfe von Relais einen ersten Spielecomputer, der das Wolf-Schaf-Spiel auf einem Schachbrett beherrschte. Das Original ist in dem neuen Ausstellungsbereich des HNF zu sehen.

Der britische Computerexperte A. Sandy Douglas entwickelte 1952 das grafische Computerspiel OXO, das ähnlich dem Tic-Tac-Toe auf dem wissenschaftlichen Großrechner EDSAC lief. Bereits 1958 programmierte der US-Amerikaner William Higinbotham mithilfe eines analogen Computers und eines Oszilloskopen "Tennis for two". Als Pong wurde das Spiel in den 1970er-Jahren berühmt. Der deutschstämmige Ingenieur Ralph Baer konstruierte 1968 in den USA die "Brown Box", die ab 1972 unter dem Namen Odyssey als erste Konsole vertrieben wurde. Mit dem Anschluss an das heimische Fernsehgerät begann die große Zeit der Videospiele, die vor allem mit dem Namen Atari verbunden ist und im HNF bis zu den heutigen Produkten nachvollzogen werden kann.

Die aufkommenden Homecomputer der 1980er-Jahre standen vielfach in Jugendzimmern, weniger in Büros und wurden hauptsächlich zum Spielen genutzt. Ob Commodore VC 20, C64 oder Amiga, Atari, Sinclair oder Scheider: Sie alle waren vor allem Spielecomputer. Die Faszination von Pac-Man oder Donkey Kong lässt sich im HNF nachvollziehen. Als transportable Spielekonsole wurde in den 1990er-Jahren der Game Boy zum absoluten Bestseller. Das stets mitgelieferte Tetris, erfunden von dem russischen Programmierer Alexei Paschitnow, war ebenso simpel wie erfolgreich.

Das Comeback der Spielekonsole seit den 1990er-Jahren führte zu Online-Games und Spielen mit Bewegungssteuerung. Nun musste man nicht mehr träge auf dem Sofa sitzen, sondern konnte sich sportlich bewegen. Neue Zielgruppen waren die Folge.

Die Eröffnung des neuen Ausstellungsbereichs ist Teil der Feierlichkeiten des HNF zum 20. Jahrestag seiner Eröffnung durch Bundeskanzler Helmut Kohl am 24. Oktober 1996. "Wir wollen mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm den Besuchern ein attraktives Angebot machen und uns zugleich bei Ihnen bedanken", umreißt Viehoff die Jubiläumsfeierlichkeiten. "Zudem werden wir am 29. Oktober drei weitere neue Bereiche in der Dauerausstellung eröffnen und damit die Ausrichtung des HNF auf Zukunftsthemen weiter voranbringen."

Drei neue Ausstellungsbereiche

Alle drei Bereiche werden zeigen, wie sich unser Leben und die Gesellschaft durch die zunehmende Digitalisierung verändern. Einen Blick zurück wirft dabei die völlig neu gestaltete Darstellung der Internetgeschichte. Die jetzige basiert noch auf dem Stand der Eröffnung des HNF. Die neue Präsentation wird multimedial sein, mit spannenden Exponaten ausgestattet und auf anschauliche Art und Weise die Entwicklung von den ersten Netzknoten 1969 über die Entstehung des World Wide Web bis in die heutigen Weiten des Social Web illustrieren.

Wie das Leben in der vernetzten Welt von der Digitalisierung geprägt wird, erleben die Besucher im Bereich "Smart World". Szenenbilder, Mitmachstationen und Multi-Touch-Tische erlauben einen interaktiven Zugang zur Mobilität der Zukunft, zu Entertainment und Kommunikation im 21. Jahrhundert, zur Industrie 4.0 und machen deutlich, wie moderne Technik heute zur Körpervermessung und Selbstoptimierung genutzt wird.

Gemäß der Idee "Jeder kann programmieren" wird das neue CodeLab Grundprinzipien des Programmierens vermitteln. Dabei wird Programmieren als eine wesentliche Kulturtechnik der Zukunft gesehen, die auf spielerische und intuitive Art ausprobiert werden kann. In drei Modulen erfahren die Besucher, wie sie Befehlsketten mit einfachen Symbolen aufbauen oder programmieren bewegliche Figuren. Ein besonderes Erlebnis wird es sein, bei 49 Winkekatzen Drehung und Winken zu programmieren.

Zentrales Anliegen aller Bereiche ist es, die dafür genutzte Sensortechnologie zu erklären und deutlich zu machen, wie digitale Daten erfasst und analysiert werden. Dadurch soll das Technikverständnis erhöht und ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, welche Auswirkungen der Verbund dieser Datenmengen für den menschlichen Alltag hat.

Eine Woche Jubiläumsfeierlichkeiten

Den Auftakt der Jubiläumswoche bildet am Montag und Dienstag, 24./25. Oktober, das Heinz-Nixdorf-Kolloquium. Veranstaltet vom Historischen Institut der Universität Paderborn und dem HNF geht es bei dieser Fachtagung um die Geschichte des Internets. Ein prominenter Redner wird das Thema am Montag in einem Abendvortrag beleuchten. Zudem wird an diesem Tag das Museum geöffnet sein. Spezielle Führungen erschließen die Dauerausstellung.

Am Donnerstag, 27. Oktober zieht eine Tagung unter dem Titel "Bildung im digitalen Zeitalter" eine bildungspolitische Bilanz der letzten 20 Jahre. Die hochkarätig besetzte Veranstaltung im Rahmen des Paderborner Podiums richtet sich in erster Linie an Personen im Bildungsbereich.

Die neuen Ausstellungsbereiche werden am Samstag, 29. Oktober, im feierlichen Rahmen eröffnet. Am Sonntag folgt ein Familientag. Musik, Show, Vorträge und vieles zum Mitmachen laden Jung und Alt ein, bei freiem Eintritt alle Facetten des weltgrößten Computermuseums zu genießen.

Bildunterschrift:

HNF-Geschäftsführer Dr. Jochen Viehoff (l.) und Kurator Michael Mikolajczak haben Spaß mit den alten und neuen Spielen.

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