04.12.2010

Sprechmaschine des Wolfgang von Kempelen

3.12.2010

Neues Exxponat im Heinz Nixdorf MuseumsForum

 

 

Eines der berühmtesten Exponate im Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF) ist der Nachbau des Schachtürken. Dessen Erfinder Wolfgang von Kempelen ist aber nicht nur durch diesen scheinbaren Schachautomaten berühmt geworden, sondern auch durch die Entwicklung einer Sprechmaschine Ende des 18. Jahrhunderts, der ersten funktionsfähigen Konstruktion zur Sprachsynthese.

 

Seit Freitag ist ein Nachbau der verschollenen Maschine im Foyer des HNF zu sehen. Sie ist in der Lage, die Worte Mama und Papa und einige einzelne Laute zu erzeugen. Ein Video zeigt ihre Funktion und führt die Sprechübungen der Maschine vor.

 

Im vorigen Jahr hat der Musikwissenschaftler und Linguist Fabian Brackhane aus Saarbrücken zusammen mit einem Orgelbauer die Maschine nachgebaut. Dabei konnte er sich auf umfangreiche Aufzeichnungen von Kempelens stützen, der in einem Buch exakt die menschlichen Sprechorgane und ihre Laute beschrieb. Von Kempelen begründete damit die experimentelle Phonetik.

 

Die Maschine konnte als erste menschliche Sprechlaute und kurze Wörter hervorbringen. Dazu bildete von Kempelen mit mechanischen Mitteln die Sprechorgane des Menschen nach. Der Blasebalg übernahm die Funktion der Lunge, zwei Messingröhrchen die der Nase, ein Gummitrichter entsprach dem Mundraum und den Lippen. Die Stimmbänder sollten durch ein aufschlagendes Rohrblatt aus Elfenbein ersetzt werden. Aber Zunge und Zähne hatten keine künstliche Entsprechung, wobei das Fehlen einer „Zunge“ der größte Nachteil war, sodass die Maschine nur zu rund einem Dutzend Sprachlauten fähig war.

 

Wolfgang von Kempelen studierte rund 20 Jahre lang intensiv mehrere europäische Sprachen, aber vor allem den menschlichen Sprechapparat. Diese Studien flossen in die Konstruktion der Sprechmaschine ein, die einen Meilenstein in der Entwicklung künstlicher Sprechapparate bildete. Nach von Kempelen versuchten weitere Erfinder Sprechmaschinen zu konstruieren. Doch erst 1939 gelang es dem US-Amerikaner Homer Dudley mit seinem „Voice Operation Demonstrator“ (Voder), menschliche Sprache auf elektronischem Wege zu erzeugen.

 

Im Heinz Nixdorf MuseumsForum ist neben der Sprechmaschine ein Vocoder ausgestellt, der ursprünglich 1928 von Dudley entwickelt wurde, um menschliche Sprache in codierter Form über elektrische Leitungen zu transportieren und damit eine geringere Bandbreite zu ermöglichen. Berühmt wurde der Vocoder allerdings in der populären Musik durch David Bowie, Kraftwerk, Eurythmics und andere, die damit neue maschinenhafte Sound- und Stimmeffekte erzeugten. Über einen Bildschirm können die Besucher im HNF die Entwicklung der Sprachsynthesizer und elektronischen Sprechmaschinen nachvollziehen und sich anhören, dass bis heute künstliche Stimmen quäkend und schwer verständlich klingen, weshalb moderne Sprachautomaten auf von Menschen gesprochenen Wörtern basieren.

 

Die Sprechmaschine ist bis Ende des Jahres im Foyer des HNF kostenlos zu den üblichen Öffnungszeiten zu besichtigen: dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, am Wochenende 10 bis 18 Uhr.

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