10.07.2009

Codes und Clowns

05.11.2009

Claude Shannon – Jongleur der Wissenschaft


Er war eines der größten Genies des 20. Jahrhunderts, der Vater des Bits und Pionier unseres Informationszeitalters. Doch Claude Shannon zeichnete sich nicht nur durch Gedankenschärfe und Einfallsreichtum, sondern auch durch Humor und Originalität aus. Der Begründer der Informationstheorie bastelte in seiner Freizeit an Jonglierrobotern, Schachcomputern und programmierbaren Blechmäusen. Im Büro fuhr er Einrad oder jonglierte mit Keulen.

 

Das Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn zeigt in der Ausstellung „Codes und Clowns“ vom 6. November 2009 bis 28. Februar 2010 eine Auswahl seiner Erfindungen, deren Funktion von höchst brauchbar bis nutzlos reichen konnte. Die Präsentation ordnet die Erfindungen in die Biografie Shannons und die Geschichte der Informationstechnik ein und beleuchtet ihre wissenschaftlichen Zusammenhänge und Wirkungen. Die Leihgaben stammen aus dem MIT Museum in Boston und sind erstmals an einem anderen Ort öffentlich zu sehen.

 

Claude Shannon (1916-2001) war von 1956 bis 1978 Professor am legendären Massachusetts Institute of Technology (MIT). Vor allem in dieser Zeit baute er in seiner privaten Werkstatt technologische Besonderheiten, aber auch innovative und wegbereitende Entwicklungen. So fertigte er einen Rechner, der auch intern mit römischen Ziffern rechnete. Er konstruierte mit Telefonrelais den ersten Schachcomputer für verschiedene Endspielsituationen und baute kleine jonglierende Figuren. Auch eine Blechmaus, die selbstständig aus einem beliebigen Labyrinth findet, gehört zu seinem Werk. 1981 baute er einen mechanischen Roboter, der es schafft, den legendären Zauberwürfel zu lösen.

 

In diesen Objekten verbanden sich scharfer Verstand und spielerische Fantasie mit handwerklichen Fähigkeiten. Es entstanden pfiffige Dinge, von denen einige technisch revolutionär waren, andere nur seinem eigenen Vergnügen dienten.

„Es ist erstaunlich, wie viel diese Erfindungen über Claude Shannon als Gelehrten und Menschen aussagen“, erklärt Deborah Douglas, Kuratorin für Wissenschaft und Technologie am MIT Museum. „Geistige Wendigkeit, intellektuelle Brillanz und eine gewisse Schrulligkeit sind Qualitäten, die auch das MIT als Institution ausgesprochen schätzt.“

 

Im Heinz Nixdorf MuseumsForum werden die Shannon-Objekte kreisförmig in Vitrinen platziert. Das Zentrum der Ausstellung bildet die mediale Inszenierung „Signal und Rauschen“. Hier können die Besucher Signalstörungen erzeugen, Rauschen erfahren und hautnah erleben, was Shannons grundlegende Arbeiten der Nachrichtenübertragung bedeuten.

 

Um die ausgestellten Spielzeuge des Erfindergenies in einen wissenschaftlichen Zusammenhang zu stellen, haben die Verantwortlichen des HNF zu jedem Objekt ein spezielles Szenario, ein Gegenüber, geschaffen. Das reicht von kuriosen Taschenrechnern über ferngesteuerte Hubschrauber, Exponate zur Spieltheorie bis hin zur legendären „Ultimativen Maschine“ Shannons, deren Original zwar verloren ging, die aber in einem Nachbau des HNF in Funktion gezeigt wird.

 

Die Funktion der Original-Objekte ist aus konservatorischen Gründen nur in Videos zu sehen. In einem kleinen Kino werden seltene Filmstreifen gezeigt, in denen Claude Shannon einige seiner Spiel- und Denkzeuge originell erklärt. Zudem ist ein Film der Universität von Kalifornien in Berkely zu sehen, in dem Shannon als „Vater des Informationszeitalters“ vorgestellt wird.

 

Claude Shannon wurde am 30. April 1916 in Michigan geboren. Er studierte Elektrotechnik und Mathematik. Nach Tätigkeiten am MIT und am Institute for Advanced Studies in Princeton wechselte er 1941 zu den Bell Telephone Laboratories. Hier schrieb er grundlegende Beiträge zur Kryptografie und Schaltungstheorie. So war er auch an der Entwicklung von Verschlüsselungsgeräten bei Telefonaten zwischen Roosevelt und Churchill beteiligt. 1949 begründete er mit seinem epochalen Aufsatz „A Mathematical Theory of Communication“ die Informationstheorie und legte die Grundlagen für unsere heutige Informations- und Kommunikationstechnik. In diesem Aufsatz führte er erstmals auch den Begriff des Bit (Binary Digit) ein.

 

In der Öffentlichkeit ist Shannon bei weitem nicht so bekannt, wie es seiner Bedeutung angemessen wäre, eine beinahe absurde Tatsache beim Ahnherrn des Informationszeitalters. Die Ausstellung im HNF will diesen großen Pionier einer breiten Öffentlichkeit präsentieren und neben seinen fachlichen Leistungen auch die Persönlichkeit Claude Shannon würdigen.

 

Die Ausstellung wird vom 6. November 2009 bis 28. Februar 2010 auf 500 Quadratmetern im 3. Obergeschoss des Heinz Nixdorf MuseumsForums gezeigt. Leihgeber sind neben dem MIT Museum die Firma Graupner mit sehenswerten ferngesteuerten Spielzeugen, die Spezialisten für Automatisierungstechnik Lenze aus Hameln und der Künstler Hannes Waldschütz mit seinen „Wartenden Maschinen“. Der Eintritt zur Ausstellung kostet drei Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Schulklassen haben nach vorheriger Anmeldung kostenlosen Eintritt.

 

Weitere Informationen auf www.hnf.de/shannon.

 

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