02.05.2007

Beginn des Informationszeitalters - Heinz Nixdorf MuseumsForum baut erste Hollerithmaschine nach

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Beginn des Informationszeitalters
Heinz Nixdorf MuseumsForum baut erste Hollerithmaschine nach

1890 begann das Informationszeitalter. Bei der elften Volkszählung in den USA wurden erstmals Lochkartenmaschinen eingesetzt. Den funktionsfähigen Nachbau einer sogenannten Hollerithmaschine präsentierte das Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF) in Paderborn am Donnerstag der Öffentlichkeit.

Die Maschine besteht aus mehreren einzelnen Elementen: einem Pantographenlocher, der Tabelliermaschine mit Kontaktpresse und Zähluhren sowie einem Sortierkasten. Etwa ein dreiviertel Jahr hat der HNF-Restaurator Bernhard Fromme an der Rekonstruktion gearbeitet. Der Holzkorpus stammt aus dem Archiv von IBM in den USA, das Innenleben und sämtliche Funktionsteile hat Fromme in der Werkstatt des HNF gefertigt. Fachliche Unterstützung erhielt er dabei von Prof. Bernhard Korte und Ullrich Wolff vom Bonner Rechenmaschinenmuseum Arithmeum.

Bis auf Normteile wie Schrauben und Federn wurden alle Bauelemente neu gefertigt. Besonders hohen Aufwand erforderte das Fertigen von Spulen, Relais und der Zähluhren einschließlich der Zifferblätter. Der Korpus des Lochers wurde von Wincor Nixdorf hergestellt.

Die Bedienung der Maschine war und ist nicht besonders schwierig. Die Lochkarten werden mithilfe des Pantographenlochers gestanzt. Bei der Volkszählung 1890 wurden beispielsweise Angaben über Geschlecht, Alter, Beruf, Herkunft, Religion und Wohnort der Bürger entsprechend den Angaben auf dem Erfassungsbogen der Volkszähler auf den Karten erfasst.

Die codierten Karten werden auf die Kontaktpresse gelegt, die zum Einlesen der Daten dient. Beim Herunterdrücken des Hebels senken sich kleine Metallstifte auf die Karte. Die Stifte stießen durch die Löcher in ein Quecksilberbad, das heute durch elektrische Kontakte ersetzt ist, und schließen damit einen Stromkreis, wodurch das zugehörige Zählwerk um eine Position weitergedreht wird. Die Karte wird anschließend in das entsprechende Fach der Sortiermaschine eingelegt, das sich automatisch öffnet. Mithilfe dieses Verfahrens war es möglich, die statistische Auswertung der Volkszählung 1890 innerhalb von vier Monaten abzuschließen, zuvor waren sieben Jahre notwendig. 43 Hollerithmaschinen werteten 62 Millionen Lochkarten aus.

Den Namen haben die Maschinen von ihrem Erfinder Herman Hollerith (1860-1929). Der Sohn deutscher Einwanderer arbeitete nach seinem Ingenieurstudium in der US-Censusbehörde und entwickelte in den 1880er Jahren das nach ihm benannte erste Verfahren einer maschinellen Datenverarbeitung mithilfe von Lochkarten. Nach dem Erfolg bei der Volkszählung in den USA erhielt er weitere Aufträge unter anderem aus Russland und Österreich. Aus der von ihm gegründeten "Tabulating Machine Company" ging 1924 IBM hervor.

Weltweit existiert nur noch eine Handvoll Original-Hollerithmaschinen, so in den USA, Paris, Oslo und Moskau, von denen keine in Funktion ist. Die einzigen weiteren funktionsfähigen Maschine stehen als Nachbauten im Bonner Arithmeum und bei IBM in Sindelfingen.

Die Hollerithmaschine des Heinz Nixdorf MuseumsForums ist im Foyer des größten Computermuseums der Welt kostenlos zu sehen. Ergänzt wird die Präsentation um ausgewählte Exponate und Informationen zur Geschichte der Lochkartentechnik. Ab Oktober wird die Hollerithmaschine ihren Platz in der Galerie der Pioniere im Kabinett ihres Erfinders einnehmen.

Das HNF ist dienstags bis freitags von 9.00 bis 18.00 und am Wochenende von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

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