21.07.2015

Aufbau einer Ausstellung

Seit neun Tagen herrscht im 3. Obergeschoss des Heinz Nixdorf MuseumsForums reger Betrieb. Es wird eifrig geschraubt, gehämmert und gebohrt. Denn bis Ende der Woche soll die Architektur der neuen Ausstellung "Am Anfang war Ada. Frauen in der Computergeschichte" stehen.

Bis dahin haben die Mitarbeiter der Berliner Ausstellungsfirma Archimedes noch alle Hände voll zu tun. Zwei große LKW mit Wänden, Podesten und Verankerungen kamen am Montag letzter Woche in Paderborn an. In den Berliner Räumen von Archimedes waren in den vergangenen Monaten alle Teile vorbereitet und markiert worden, um nun im HNF an der richtigen Stelle montiert zu werden.

"Es ist faszinierend zu beobachten, wie in kurzer Zeit eine zweijährige Planung reale Gestalt annimmt", freute sich am Dienstag HNF-Geschäftsführer Dr. Kurt Beiersdörfer über den begonnenen Aufbau. "Die Ausstellung ist technisch aufwendig, doch die Arbeiten liegen gut im Plan, sodass wir ab dem 2. September den Besuchern eine spannende und attraktive Ausstellung anbieten können."

Neben den Bauelementen werden in den nächsten Tagen auch noch Bildschirme und Computer eingebaut, denn die Ausstellung bietet neben Texten und Fotos zahlreiche moderne Multimedia-Stationen. Bis zur Eröffnung folgen die Exponate, die vielfach als Leihgaben aus Deutschland, England, der Schweiz und den USA kommen.

Spätestens zur Eröffnung am 1. September soll alles an der richtigen Stelle sein und funktionieren, damit Bundesbildungsministerin Johanna Wanka die Eröffnung vornehmen kann. Danach können sich die Besucher bis zum 10. Juli 2016 über die Rolle von Frauen in der Computergeschichte informieren.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist Ada Lovelace, Tochter des romantischen Dichters Lord Byron, deren Geburtstag sich am 10. Dezember zum 200. Mal jährt. Bereits 100 Jahre vor der Erfindung des Computers verfasste sie eine Schrift, die heute als das erste Programm der Computergeschichte bezeichnet wird.

Ihr Leben und Werk bilden den Mittelpunkt der Ausstellung, die sich jedoch nicht auf Ada Lovelace beschränkt, sondern zahlreiche weitere Pionierinnen präsentiert, die bis heute die Entwicklung der Informationstechnik wesentlich vorangebracht haben.

Die Besucher erleben auf 700 Quadratmetern in spannenden Inszenierungen, unter welchen Bedingungen Ada Lovelace ihre Leistungen vollbrachte, in einer Zeit, die Frauen von technischer und naturwissenschaftlicher Bildung fernhielt und gesellschaftliche Barrieren ihr Handeln stark reglementierten.

So wird deutlich, wie Ada Lovelace in Zusammenarbeit mit Charles Babbage ein Programm für dessen nie gebaute mechanische Rechenmaschine Analytical Engine entwickelte, das sie zur Ikone der Informationstechnik werden ließ. Mit ihrem Kampf gegen Konventionen, ihren wegweisenden Überlegungen zur Programmierung und den visionären Ideen einer universell einsetzbaren Rechenmaschine steht sie heute stellvertretend für viele Frauen, denen eine gleichwertige Anerkennung bisher versagt blieb.

Eine Abteilung widmet sich den Frauen, die in Deutschland, England und den USA maßgeblich an mathematischen Berechnungen und Entschlüsselungsarbeiten beteiligt bzw. für die Programmierung des ersten elektronischen Computers ENIAC verantwortlich waren.

Den drei Pionierinnen der Software Grace Hopper, Mary Allen Wilkes und Adele Goldberg ist eine weitere Abteilung gewidmet. Für die globalen und digitalen Fortschritte der letzten Jahrzehnte stehen Christiane Floyd - 1978 erste Informatik-Professorin in Deutschland - , Nadia Magnenat-Thalmann und die 1979 geborene Maker- und Open-Source-Aktivistin Limor Fried.

Die Lebensgeschichten sind in die gesellschaftlichen und sozialhistorischen Zeitläufte eingeordnet, sodass die Ausstellung auch einen wesentlichen Einblick in das Frauenbild und den Wertewandel der letzten anderthalb Jahrhunderte bietet.

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