13.10.2021

25 Jahre HNF: Neues in der Dauerausstellung

Seit 25 Jahren präsentiert das Paderborner Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF) 5.000 Jahre Informationstechnik. Das wird auch in Zukunft so bleiben, doch ab sofort beginnt der Rundgang mit einem brandneu gestalteten Eingangsbereich, der mit blau hinterleuchteten Stelen die Besucher in die Ausstellung hineinzieht.

Wo Geschichte beginnt

Die Gäste des HNF erhalten einen ersten Überblick, was sie im Museum erwartet und erfahren unter dem Titel "Wo Geschichte beginnt" anhand spannender Exponate und Medien, wie vor 5.000 Jahren Zahl und Schrift entstanden und damit den Startschuss der Informationsgeschichte gaben.

"Die visuelle Gestaltung für den Beginn der 5.000 Jahre umfassenden Zeitreise wird unsere Besucher begeistern", ist HNF-Geschäftsführer Dr. Jochen Viehoff überzeugt. "Damit hat das gesamte Museum ein wegweisendes Update zum 25-jährigen Jubiläum erhalten. Die Gestaltung zieht die Besucher wie ein Zeittunnel in das Museum hinein, sie erleben den Übergang von der Dunkelheit zum Beginn der menschlichen Kultur."

Die Entwicklung von Schrift und Zahl ist nun deutlich übersichtlicher dargestellt. Neben zahlreichen Abgüssen historischer Tontafeln führen drei Medienstationen in das Thema ein. So wird die Verbreitung des Alphabets deutlich, die Besucher können mit einem Kerbholz zählen, die Geheimnisse antiker Tonkugeln erkunden oder sich über den ältesten Rechenfehler der Welt informieren. Ein hölzernes Schiebepuzzle stellt spielerisch die Wurzeln unserer heutigen Zahlen vor.

Der Bereich ist im HNF entwickelt und von dem Paderborner Gestalter und Tischler Alexander Ostermann baulich umgesetzt worden, der auch die Grundidee der Eingangsstelen hatte.

Nixdorfs erstes Erfolgsprodukt

In ein ganz anderes Zeitalter der Datenverarbeitung führt eine weitere neue Attraktion. Der Elektronensaldierer ES 24 war 1953 einer der ersten elektronischen Rechner Deutschlands und das erste Erfolgsprodukt der jungen Firma von Heinz Nixdorf, der 1952 in Essen das Labor für Impulstechnik gegründet hatte.

Nixdorf verkaufte den ES 24 in enger Kooperation vor allem an den französischen Lochkartenhersteller Bull, an deren Sortierer er angeschlossen werden konnte. Während ein Bull-Lochkartensortierer die auf Lochkarten gespeicherten Kontobewegungen eines Arbeitstages sortierte, wurden die darauf gespeicherten Beträge ausgelesen und an den Elektronensaldierer geleitet. Dieser summierte Soll und Haben des Tages auf und verarbeitete dabei bis zu 42.000 Karten pro Stunde. Die elektronische Schaltung des ES 24 mit 396 Röhren erlaubte die parallele Verarbeitung von Daten und beschleunigte damit den Arbeitsprozess erheblich. Er bildete 24 Dezimalstellen ab, daher der Name. Der ES 24 war mit 10.000 DM so günstig, dass er auch für kleinere Banken oder mittelständische Unternehmen erschwinglich war.

Der Nachbau im HNF basiert auf den originalen Schaltplänen Nixdorfs. Der Berliner Ingenieur Henry Westphal konstruierte ihn in den Jahren 2020/21. Er verwendete 204 Röhren vom gleichen Typ wie das Original und bildet damit zwölf Dezimalstellen ab. Mit einem aufwändig konstruierten Netzteil und der Verwendung moderner elektronischer Bauteile in der Ansteuerungslogik ist es möglich, den Elektronenrechner des Jahres 2021 im täglichen Museumsbetrieb einzusetzen und von den Besuchern bedienen zu lassen.

Zwei interaktive Medienstationen laden die Besucher ein, die Funktion und Arbeitsweise des ES 24 nachzuvollziehen. Sie können in einer Bank der 1950er-Jahre mit Lochkarten Buchungen vornehmen oder einfache Rechenaufgaben tippen und zusehen, wie die Röhren das Ergebnis ermitteln.

Die Maus im Labyrinth

"Theseus" nannte der Mathematiker und Begründer der Informationstheorie Claude Shannon 1950 seine Maus, die selbstständig durch ein Labyrinth fand und damit die erste selbstlernende Maschine war. Mit damals üblichen Relais, wie sie in der Telefonvermittlung eingesetzt wurden, baute er ein Gerät, das noch heute verblüfft.

Setzt man die kleine mechanische Maus an eine beliebige Stelle in das Labyrinth, sucht sie es methodisch ab, bis sie das Ziel findet. Der Weg dorthin wird in Relais unterhalb des Labyrinths gespeichert. Setzt man anschließend die Maus wieder hinein, kann sie den gespeicherten Weg abrufen und ohne weitere Suche zum Ziel gelangen.

In enger Zusammenarbeit mit dem MIT-Museum/USA und der Familie Shannon haben das HNF und der Paderborner Elektronikexperte Rainer Glaschick Theseus nachgebaut. Dieser operiert mit heutiger Technologie, sprich drei Arduino-Mikrocontrollern. Das macht es möglich, diesen technologischen Meilenstein einer problemlösenden Maschine bei Führungen im Museum vorzuführen.

"Mit den beiden aktuellen Nachbauten verfolgen wir einen neuen Ansatz", beschreibt Viehoff die Pionierarbeit des HNF. "Auf der Basis technikhistorischer Forschungen haben wir die beiden Geräte mithilfe zeitgenössischer Bauteile und in der gleichen Funktionalität wie die Originale nachgebaut. Allerdings nutzen wir auch aktuelle Technologien, um die Objekte dauerhaft nicht nur zu präsentieren, sondern auch vorzuführen."

256 Seiten Geschichte der Informationstechnik

Auch im Zeitalter von Internet und Social Media haben in den letzten Jahren immer wieder HNF-Besucher nach einem gedruckten Museumsführer gefragt. Die erste Ausgabe erschien rund ein halbes Jahr nach der Eröffnung im Jahr 1997, wurde immer wieder aktualisiert und neu aufgelegt. "Das 25-jährige Jubiläum war für uns nun Anlass, den vielfältigen Wünschen nachzukommen und ein komplett neues Werk zu produzieren", stellte Jochen Viehoff das Buch vor. "Uns war eine frische Bildsprache, moderne Gestaltung und natürlich eine fundierte Darstellung der IT-Geschichte wichtig."

Auf 256 Seiten mit 328 Fotografien sind die Ausstellungsbereiche und Themen des HNF dargestellt. So lässt sich das Buch sowohl als Begleitband zum Museum, aber auch als Handbuch zur Entwicklung der Informationstechnik lesen.

"Geschichte der Zukunft. Eine Reise durch das HNF" liegt in einer deutschen und einer englischen Ausgabe vor und kostet 9,50 Euro. Es ist sowohl im HNF-Museumshop als auch über den Buchhandel erhältlich.

Mehr zu diesen Themen auf www.hnf.de/hnf25

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