26.10.2016

20 Jahre Heinz Nixdorf MuseumsForum

Neue Ausstellungsbereiche und großes Jubiläumsprogramm

2,3 Millionen Besucher, 17.000 Veranstaltungen, 6.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, über 30 Sonderausstellungen: Diese Zahlen geben einen ersten Überblick über 20 Jahre Geschichte des weltgrößten Computermuseums.

Als das Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF) am 24. Oktober 1996 von Bundeskanzler Helmut Kohl eröffnet wurde, waren Handys teure und klobige Statussymbole, das Internet für viele noch weitgehend unbekannt und als Datenspeicher die Floppy-Disk Stand der Technik. Seitdem ist nicht nur die Technologie enorm vorangeschritten, auch das HNF hat sich beständig weiter entwickelt.

Vier neue Bereiche

Anlässlich des Jubiläums eröffnet das Paderborner Museum am Samstag, 29. Oktober vier neue Bereiche in der Dauerausstellung, die Digitalisierung und Vernetzung zum Thema haben.

"Mit unseren Neuerungen wollen wir den Besuchern einen Anstoß geben, aus dem reinen Medienkonsum auszubrechen und selbst zum Mitgestalter des digitalen Wandels zu werden", beschreibt HNF-Geschäftsführer Dr. Jochen Viehoff die Zielrichtung. "Zukünftig wird das Programmieren zur neuen Kulturtechnik, die das klassische Schreiben und Rechnen ergänzt."

CodeLab

Dementsprechend nimmt das Selbermachen, Ausprobieren und Programmieren einen breiten Raum in den 500 neu gestalteten Quadratmetern ein.

Im CodeLab wird das Programmieren spielerisch erlebbar. Der Bereich zeigt die Logik des Programmierens auf. Die Besucher erleben durch eigenes Ausprobieren, wie ein Programm funktioniert, was Variablen und Schleifen sind. Besonders anschaulich wird das anhand eines Balletts von 49 Winkekatzen, die sich mit den Grundprinzipien des Programmierens in Bewegung setzen lassen. Bei "Turtle Maze" geht es darum, eine Schildkröte ins Ziel zu steuern. Das Spiel ist als Teamaufgabe angelegt, die mit unterschiedlichen Befehlen unterhaltsam gelöst wird. Zudem stehen vier weitere Terminals mit spielerischen Einstiegen in die Kunst des Programmierens bereit.

Smart World

Der Smart World überschriebene Bereich zeigt anschaulich, wie bereits heute unser Alltag durch das Internet und Sensoren beeinflusst wird. Ebenso informativ wie spielerisch geht es um die vernetzte Mobilität, die Arbeitswelt von morgen, die Vermischung von realer und digitaler Realität und das vermessene Ich.

Die Museumsbesucher können ihre eigenen Vitalparameter messen und an einem "gläsernen Menschen" erleben, welche Daten moderne Trackinggeräte erfassen. Der Blick ins Innere eines Smartphones zeigt die ansonsten verborgenen Sensoren, deren Funktion die Besucher testen können. Auf einem weiteren großen interaktiven Monitor steuern sie eine Fabrik der Zukunft und erleben die Abläufe vernetzter Produktion. An weiteren Medientischen lassen sich Verkehr und Mobilität mithilfe digitaler Technik beeinflussen. Und wer sich nicht scheut, lässt in einer Videoaufnahme der eigenen Person eine große Spinne über die Hand laufen.

Die Welt im Netz

Die Geschichte des Internets wird in einer neuen spektakulären Lichtinstallation dokumentiert. Die elf Meter lange Wand ist mit 176 Leuchtelementen ausgestattet, bietet vertiefende Informationen über Fotos, Videos und Text. Aber sie enthält auch zahlreiche Original-Objekte wie das erste per Webcam überwachte Objekt, eine Kaffeemaschine. Zu sehen ist die Evolution der Kabel, ein BTX-Terminal, der letzte Quelle-Katalog und der Big Brother Award. Die Wand reagiert mit einer faszinierenden Lichtsteuerung auf die Bewegungen der Besucher und demonstriert so anschaulich Interaktivität und Vernetzung.

Die drei Bereiche CodeLab, Smart World und "Die Welt im Netz" wurden von Mitarbeitern des HNF konzipiert, inhaltlich erarbeitet und von Archimedes Exhibitions, Berlin, gestaltet.

Geschichte der Video- und Computerspiele

Alte Erinnerungen werden wach, wenn Pac-Man über den Bildschirm huscht oder Lara Croft sich durch den Dschungel kämpft. In dem neuen Ausstellungsbereich zur Geschichte der Video- und Computerspiele können die Museumsgäste nicht nur historische Spiele ausprobieren. Auch ein High-End Gaming-PC steht bereit. Eine besondere Attraktion ist ein original Arcade-Automat von 1981, an dem viele Spielefreaks ihre ersten Erfahrungen sammelten. Noch heute faszinieren die einfache Grafik und simple Bedienung, wenn es gilt, bei "The Invaders" möglichst viele Raumschiffe in kurzer Zeit abzuschießen. Die Abteilung lädt zum Spielen ein, informiert aber auch über die Entwicklung der Hardware. Dieser Bereich wurde im HNF sowohl inhaltlich geplant als auch technisch umgesetzt.

Jubiläumsfeierlichkeiten

Neben den neuen Ausstellungsbereichen feiert das HNF sein Jubiläum mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm. Auftakt war am Montag und Dienstag mit dem wissenschaftlichen Heinz-Nixdorf-Kolloquium, ergänzt um einen öffentlichen Abendvortrag von Peter Sloterdijk.

Paderborner Podium

Am Donnerstag folgt das Paderborner Podium. Sieben Experten stellen auf dieser Tagung zur "Bildung im digitalen Zeitalter" neueste Erkenntnisse über unser Bildungssystem vor, wie es auf die Herausforderungen des digitalen Wandels vorbereitet ist und welche Chancen sich ergeben. Zu dieser Veranstaltung kommt auch Schulministerin Sylvia Löhrmann ins HNF, die um 16 Uhr an einer Podiumsdiskussion teilnimmt. Die Tagung wird moderiert von Gundula Gause (heute-journal, ZDF). Informationen hierzu auf www.hnf.de/pb-podium2016.

"Das HNF engagiert sich sehr stark für neue Wege im Bildungssystem, wobei es einige Entwicklungen gibt, die Hoffnung machen, dass der digitale Wandel auch in der Bildung ankommt", hob HNF-Geschäftsführer Dr. Kurt Beiersdörfer die Bedeutung des Tagungsthemas hervor. "Schülerforschungszentrum, Schülerlabor, zahlreiche Veranstaltungen und nun auch die neuen Ausstellungsbereiche unterstreichen die Aktivitäten des HNF in diesem Bereich."

Eröffnung und Party

Die neuen Ausstellungsbereiche werden am Samstag, 29. Oktober mit einem musikalisch-poetischen Programm eröffnet. Sten Mentzel begleitet eine visuelle Schau zu 20 Jahren HNF auf seiner Gitarre, bevor einer der erfolgreichsten deutschen Poetry-Slammer, Lars Ruppel, die Bühne betritt. Diese Veranstaltung ist bereits ausgebucht.

Im Anschluss wird das gesamte Museum ab 21 Uhr zur Party-Location, denn die Macher des HNF können nicht nur Museum. Hier erhält der Titel "Nachts im Museum" eine völlig neue Bedeutung. Die Open House-Party lockt mit freiem Eintritt, leckeren Cocktails, einer stilvollen Cocktailbar, entspannter Lounge und Musik aus Rock, Pop und Dance des legendären DJ Korte alle Tanzwilligen.

Museumsfest

Der Höhepunkt der Woche bildet zugleich ihren Abschluss: das große Museumsfest am Sonntag, 30. Oktober. Von 10 bis 18 Uhr wird bei freiem Eintritt ein vielfältiges Programm aus Unterhaltung, Musik und Wissenschaft für alle Altersklassen geboten.

Die Besucher können sich auf eine Mathe-Science-Show und eine humorvolle Analyse von 50 Jahren Star Trek durch den Dortmunder Physik-Professor Metin Tolan freuen. Weitere Höhepunkte sind ein mobiler Spielplatz und das RetroLab, das in die Zeiten der ersten PCs und Videospiele entführt. Vom C64 bis zum Amiga werden Erinnerungen wach, wenn die alten Schätzchen wieder unter Dampf genommen werden.

Wer sich in die Ära der Nixdorf Computer AG versetzen lassen möchte, kann sich beim Wettbewerb zum Bestücken einer Platine mit elektronischen Bauteilen versuchen. Sportliche Besucher können vom Foyer ins Obergeschoss die Kletterschlange benutzen. Codeknacker sollten probieren, die Enigma zu entschlüsseln. Passend zur aktuellen Sonderausstellung KonsumKompass geht es um den aktuellen Trend Upcycling: Wie kann ich aus alten Sachen neue attraktive Dinge gestalten?

Ein Kalligraf führt mit seiner Kunst die Schönheit der Schrift vor. Der bekannte Wissenschaftsjournalist Joachim Hecker beweist mit seiner Show "Mathe ist kein Hexenwerk". Die iPad-Band Stereopolitan heizt ein und die Künstler von Improsant bieten ein einzigartiges Impro-Theater.

Der Robo-Zoo begeistert die Jüngsten mit Robotertieren. Wie schnelle Informationsübertragung vor den Zeiten von Internet und E-Mail funktionierte, zeigt ein ratternder Fernschreiber.

Einen brandaktuellen Blick auf heutige Computer wirft eine Schau mit preisgekrönten Rechnern der Casemodder. Dazu gehört auch die größte Computermaus der Welt, die nur mit vollem Körpereinsatz zu bewegen ist. Mit 3D-Druck und der Vorführung von Quadrocoptern ist auch die moderne Technik in Aktion zu erleben.

Das Schülerlabor coolMINT.paderborn öffnet seine Türen. Das FabLab zeigt mit dem "Projekt Radar" wie aus einem alten Radiogehäuse ein Webradio wird. Für das leibliche Wohl sorgt das Bistro HOTSPOT.

"Noch alte Tasten im Schrank?"

Einen Einblick in sein Schaffen präsentiert der Künstler Peter Schönwandt. Der Frankfurter hat sich einen Namen mit Kunstwerken gemacht, die aus den Tasten alter Tastaturen gestaltet sind. Im HNF stellt er bis zum 27. November mehrere Werke aus, darunter ein Porträt von Konrad Zuse. Während des Museumsfestes können die Besucher ihm bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Unter dem Motto "Noch alte Tasten im Schrank?" sind die Besitzer ausrangierter Tastaturen aufgerufen, den Künstler bei der Entstehung eines weiteren Werks zu unterstützen. Ab sofort steht im Foyer eine Sammelbox bereit, um die alten Schätzchen aufzunehmen. Besonders begeistert ist Peter Schönwandt von farbigen Tasten, er ist aber auch an den üblichen schwarzen und weißen interessiert.

Mehr Informationen auf

www.hnf.de/hnf20

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