11.02.2015

Am Anfang war Ada. Frauen in der Computergeschichte.

Sonderausstellung im Heinz Nixdorf MuseumsForum

Bereits 100 Jahre vor der Erfindung des Computers verfasste die Tochter eines berühmten romantischen Dichters eine Schrift, die heute als das erste Programm der Computergeschichte bezeichnet wird. Ada Lovelace wurde vor 200 Jahren am 10. Dezember 1815 in London als Tochter von Lord Byron und der britischen Aristokratin Anne Isabella Milbanke geboren. Ihr Leben und Werk bilden den Mittelpunkt der Ausstellung "Am Anfang war Ada. Frauen in der Computergeschichte", die vom 2. September 2015 bis zum 10. Juli 2016 im Paderborner Heinz Nixdorf MuseumsForum zu sehen ist.

Die Ausstellung beschränkt sich nicht auf Ada Lovelace, sondern präsentiert weitere Pionierinnen, die seit den 1940er Jahren bis heute die Entwicklung der Informationstechnik wesentlich vorangebracht haben.

"Mit Ada Lovelace stand eine Frau an der Wiege des Computers. Die Ausstellung soll zeigen, welch große Bedeutung Frauen in der Geschichte der Informationstechnik zukommt", betonte HNF-Geschäftsführer Dr. Kurt Beiersdörfer bei der ersten Vorstellung der Ausstellung. "In den vergangenen Jahren hat das HNF mit Claude Shannon und Alan Turing zwei Männern bundesweit beachtete Ausstellung gewidmet, nun ist es an der Zeit, die Leistungen der Frauen zu würdigen."

Begreifen durch Ausprobieren

Die Recherche gestaltete sich für die Ausstellungsmacher teilweise schwierig. Viele Leistungen von Frauen aus der Frühzeit des Computers sind kaum bekannt und dokumentiert. Dementsprechend problematisch war es, repräsentative Exponate nach Paderborn zu holen. "Wir sind aber auf einem guten Weg, den Besuchern eine attraktive und spannende Ausstellung präsentieren zu können", unterstrich Projektleiterin Doreen Hartmann. "Dazu tragen wesentlich die zahlreichen interaktiven Angebote bei, die bestimmte Technologien im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar machen." Zudem sind die Lebensgeschichten in die gesellschaftlichen und sozialhistorischen Zeitläufte eingeordnet, sodass die Ausstellung auch einen wesentlichen Einblick in das Frauenbild und den Wertewandel der letzten anderthalb Jahrhunderte bietet.

Begrüßt werden die Besucher von einer multimedialen Inszenierung, die in 30 Sekunden einen Überblick über die Ausstellung und ihre Protagonistinnen gibt. Zahlreiche Inhalte werden durch Ausprobieren und moderne Medienstationen vermittelt. So gibt es ein "Hands-On" zur Funktion des ersten elektronischen Computers, des ENIAC. Der bis heute für das Funktionieren eines jeden Computers notwendige Compiler wird genauso erstmalig interaktiv und multimedial erläutert wie die Computersprache Smalltalk.

Ada und andere Pionierinnen

Die Besucher erleben auf 700 Quadratmetern in spannenden Inszenierungen, unter welchen Bedingungen Ada Lovelace ihre Leistungen vollbrachte, in einer Zeit, die Frauen von technischer und naturwissenschaftlicher Bildung fernhielt und gesellschaftliche Barrieren ihr Handeln stark reglementierten. So wird deutlich, wie Ada Lovelace in Zusammenarbeit mit Charles Babbage ein Programm für dessen nie gebaute mechanische Rechenmaschine Analytical Engine entwickelte, das sie zur Ikone der Informationstechnik gemacht hat. Mit ihrem Kampf gegen Konventionen, ihren wegweisenden Überlegungen zur Programmierung und den visionären Ideen einer universell einsetzbaren Rechenmaschine steht sie heute stellvertretend für viele Frauen, denen eine gleichwertige Anerkennung bisher versagt blieb.

Doch beschränkt sich die Ausstellung nicht auf diese Pionierin. Seit den ersten Computern, die in den 1940er Jahren in Europa und den USA gebaut wurden, waren Frauen maßgeblich an deren Entwicklung beteiligt. Eine Abteilung der Ausstellung widmet sich den Computern im Zweiten Weltkrieg. Die Programmierung des ENIAC, von dem im HNF einige Original-Teile zu sehen sind, nahmen vor allem Frauen vor. Ihre Leistungen blieben beinahe 50 Jahre lang unerwähnt genauso wie die Entschlüsselung der Enigma-Chiffriermaschine im englischen Bletchley Park, an der Tausende Frauen mitarbeiteten. In Deutschland waren während des Krieges Frauen in großer Zahl zur Bewältigung umfangreicher Rechenaufgaben eingesetzt. Dargestellt wird die Arbeit von Rechnerinnen der TH Darmstadt u.a. für das V2-Raketenprogramm in Peenemünde.

Drei Pionierinnen der Software ist eine weitere Abteilung gewidmet. Grace Hopper ist sicher die bekannteste und legendärste Frau aus der Frühzeit des Computers. Sie war nicht nur erste Admiralin der US-Navy, sondern hat sich vor allem als Entwicklerin des ersten Compilers einen Namen gemacht. Mary Allen Wilkes gilt als erste Nutzerin eines Personal-Heimcomputers. Sie schrieb für den LINC-Computer, der im heimischen Wohnzimmer stand, in den 1960er Jahren das Betriebssystem. Beim heutigen Computer ist die grafische Benutzeroberfläche selbstverständlich, zu der Adele Goldberg im Xerox-PARC wesentliches beigetragen hat.

Drei weitere Frauen stehen für die globalen und digitalen Fortschritte der letzten Jahrzehnte. Christiane Floyd war 1978 die erste Informatik-Professorin in Deutschland an der TU Berlin, die sich vor allem einer menschengerechten Gestaltung von Software und den philosophischen Grundlagen der Informatik widmete. Nadia Magnenat-Thalmann war eine der ersten, die Mitte der 1980er Jahre für einen computeranimierten Film "virtuelle Menschen" in Gestalt von Marilyn Monroe und Humphrey Bogart entwickelte. Sie leitet das MiraLab in Genf. Für die Ausstellung realisiert sie eine "virtuelle Ada", die die Besucher beim Verlassen der Ausstellung begleitet und deren Bewegungen imitiert.

Die aktuelle Generation repräsentiert die MIT-Absolventin Limor Fried, die vor allem in der aktuellen Maker- und Open-Source-Szene aktiv ist und 2011 als einflussreichste Frau in der Technologiebranche ausgezeichnet wurde.

Schirmherrschaft Bundesbildungsministerin

"Am Anfang war Ada" richtet sich an das allgemein interessierte Publikum und Schulklassen, die bereits jetzt telefonisch Führungen unter 05251-306-660 buchen können.

Die Schirmherrschaft hat die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka übernommen, die bereits ihr Kommen zur Eröffnung am 1. September zugesagt hat.

Zur Ausstellung wird im Paderborner Wilhelm Fink Verlag ein Band erscheinen, in dem namhafte Expertinnen und Experten Themen der Ausstellung vertiefen. Herausgeberin ist die Philosophie-Professorin Prof. Dr. Sybille Krämer von der Freien Universität Berlin.

Wie im HNF üblich wird die Ausstellung von einem umfangreichen museumspädagogischen Programm, Vorträgen und Workshops begleitet. Die Ausstellung bietet sich als passendes Umfeld für Kongresse und Tagungen an. So wird neben anderen die Fachgruppe "Frauen und Informatik" der Gesellschaft für Informatik im HNF tagen.

Die Gestaltung von "Am Anfang war Ada" hat die Berliner Agentur Archimedes übernommen, die für das HNF bereits die großen Ausstellungen Computer.Medizin und Computer.Sport umgesetzt hat.

Der Eintritt für Erwachsene wird drei Euro betragen, ermäßigt die Hälfte. Schulklassen haben wie immer im HNF kostenlosen Eintritt nach vorheriger Anmeldung.

Mehr Informationen auf www.hnf.de/adalovelace

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