Phänomen Zeit

Die Reihe berichtet über die Geschichte der Zeitwahrnehmung ebenso wie über aktuelle Erkenntnisse von Psychologen und Neurologen. Zudem wagt die Reihe einen Blick in die Zukunft. Sind wir am Ende des Zeitalters der Beschleunigung? Wie geht es weiter, wie wird sich unser Umgang mit der Zeit verändern?

Wie kam der Mensch auf die Stunde? Zur Sozialgeschichte der modernen Zeitmessung

Datum: Dienstag 15.02.2000 Beginn: 19:00

Prof. Dr. Gerhard Dohrn-van Rossum, Universität Chemnitz

Im 14. Jahrhundert wurde unsere heutige Uhr, die mechanische Schlagwerkuhr, erfunden. Unverzichtbar wurde sie im 19. Jahrhundert und hält seitdem unsere Gesellschaft in Gleichtakt und Disziplin. Welches Verhältnis zur Zeit hatten die Menschen damals oder vor hundert Jahren? Und welche sozialgeschichtlichen Prozesse sind es, die unsere Definition von Zeit so verändert haben?

Die Entwicklung der mechanischen Uhren markiert den Beginn eines geschichtlichen Sonderwegs der europäischen technischen Zivilisation, der schließlich zur globalen Vorherrschaft Europas nicht nur auf dem Gebiet der Technik der Zeitmessung, sondern auch hinsichtlich des gesellschaftlichen Umgangs mit der Zeit und des Zeitbewußtseins geführt hat. Im Mittelalter wurden die Uhren zunächst als wunderbare Automaten bestaunt. Eher unauffällig bewirkten sie den Übergang zur Rechnung mit den modernen Stunden zu sechzig Minuten. Innerhalb weniger Generationen wurden mit Hilfe der Uhren zeitorganisatorische Techniken neuentwickelt, die unser Leben bis heute bestimmen. Technisch gemessene Zeit ist für uns zu einer "zweiten Naturumgebung" geworden, aber ohne Technik werden wir uns aus diesen vielfach als Zwang empfundenen Strukturen nicht befreien können.

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