Die Welt im Kopf: Intelligenz

Künstliche Intelligenz ist eines der Zauberworte für das dritte Jahrtausend.
 
Der Wunsch des Menschen, künstliche Intelligenz zu erzeugen, seine Forschungen und sein erneutes Interesse an der Entwicklung künstlicher intelligenter Systeme sind Anlass für das HNF, dem Thema Intelligenz in seinen vielen Facetten nachzugehen.
 
Intelligenz ist eine der begehrtesten Eigenschaften. Sie zu erforschen ist ein Anliegen seit der Antike. Doch was ist unter Intelligenz zu verstehen? Kann man Intelligenz tatsächlich messen? Was können Testergebnisse aussagen? Ist sie angeboren, kann man sie fördern?
 
In neun Vorträgen werden Experten aus der Forschung eine Exkursion in "Die Welt im Kopf" unternehmen: von der Evolution und Entwicklung menschlicher Intelligenz bis hin zu ihrer Bedeutung für Berufs- und persönlichen Lebenserfolg.
 
Nicht zuletzt werden die Fragen an die Zukunft von Bedeutung sein: Welche Kriterien sind an die Intelligenz des Menschen und an seine Wissensverarbeitung in unserer hoch technisierten Wissensgesellschaft zu stellen? Wie intelligent werden die intelligenten Systeme bald sein? Und wie wird sich der Mensch in der Zukunft in Konkurrenz zu intelligenten Maschinen zu definieren haben?
 
Konzeption: Dr. Claudia Gemmeke

Körperintelligenz: Vorbild Natur für intelligente Systeme

Datum: Donnerstag 16.11.2000 Beginn: 19:00

Prof. Dr. Holk Cruse, Fakultät für Biologie, Lehrstuhl für Biologische Kybernetik, Universität Bielefeld

Schon einfachste Aktionen wie zum Beispiel das Laufen erweisen sich als hochkomplexe Vorgänge, wenn man sie nachbilden will. Welche Problemlösungen hat die Natur anzubieten, die dann auf technische Fragestellungen übertragen werden können?

Nach traditioneller Vorstellung kommt intelligentes Verhalten dadurch zu Stande, dass ein dem Körper übergeordneter Geist nachdenkt, Pläne schmiedet und Entscheidungen trifft. Das Ergebnis dieses Nachdenkens wird dann an untere Ebenen weitergegeben und dort schließlich in Verhalten, d.h. letztlich in Bewegungen der Körpersegmente umgesetzt. Dieser Vorstellung liegt also das Konzept einer hierarchischen Struktur Zu Grunde. In neuerer Zeit wird aber immer mehr die These vertreten, dass Gehirne aus einer größeren Anzahl einzelner, weitgehend unabhängiger Module bestehen, die jeweils ihre spezifischen Ziele zu verfolgen suchen und in einem Wettbewerb um den Zugriff auf die Motorik stehen. Dies entspricht also eher der Vorstellung einer dezentralen Architektur.

Gehirnstrukturen lassen sich aus verschiedenen Gründen bei niederen Tieren wie zum Beispiel an Insekten und Krebsen wesentlich einfacher erforschen als bei Menschen. Solche Untersuchungen zeigen in der Tat, dass auch recht komplex erscheinende Aufgaben durch Verwendung einfacher Module gelöst werden können. Insbesondere hat sich dabei ergeben, dass diese Module nicht mit Hilfe eines abstrakten Planes arbeiten, dass also die Denk- und Entscheidungsprozesse nicht in einem unphysikalischen, "geistigen" Raum ablaufen, sondern dass der physikalisch vorhandene Körper als Basis für die "Denkprozesse" verwendet wird. Dies wird durch Verhaltensstudien belegt, die durch Computersimulationen und Tests auf Robotern ergänzt werden.

Neben diesen "reaktiven" Strukturen nimmt man - zumindest für höhere Tiere - auch die Existenz kognitiver Strukturen an. Diese sind dadurch gekennzeichnet, dass sie Weltmodelle verwenden, die für Handlungsplanung eingesetzt werden. Aber auch hier ist zu vermuten, dass die Basis dieser Weltmodelle durch ein Modell des eigenen Körpers gebildet wird, dass also auch hier Intelligenz nicht ohne den Körper zu denken ist. Möglicherweise hat sich deshalb höhere Intelligenz immer dann entwickelt, wenn die Bewegungen eines mechanisch komplexen Körpers zu kontrollieren waren.

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