01.09.2015

Am Anfang war Ada. Frauen in der Computergeschichte

Sonderausstellung im Heinz Nixdorf MuseumsForum
2. September 2015 bis 10. Juli 2016

An der Wiege des Computers stand eine Frau. Bereits 100 Jahre vor seiner Erfindung verfasste Ada Lovelace (1815-1852) das erste Programm. Doch auch die weitere Entwicklung wurde maßgeblich von Frauen geprägt. So werden in der Ausstellung "Am Anfang war Ada. Frauen in der Computergeschichte" im Paderborner Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF) neben Ada Lovelace mehrere andere Pionierinnen der vergangenen 75 Jahre gewürdigt, die bis heute die Entwicklung der Informationstechnik wesentlich vorangebracht haben.

Die Ausstellung illustriert den Kampf gegen Konventionen, zeigt technische Meisterleistungen und bewegende Lebensläufe. Dabei ist "Am Anfang war Ada" für die Besucherinnen und Besucher eine kurzweilige Reise durch die Geschichte des Computers, bei der es viel auszuprobieren und zu erleben gibt. So richtet sich die Ausstellung an die gesamte Familie, Schulklassen ab der 7. Jahrgangsstufe und alle an Technik- und Frauengeschichte Interessierte.

"Leider sind die enormen Beiträge von Frauen zur Computergeschichte kaum bekannt. Daher leisten wir mit dieser Ausstellung Pionierarbeit und hoffen, dass die Menschen nach ihrem Besuch sagen: Wow, toll, was diese Frauen geleistet haben!", beschreibt HNF-Geschäftsführer Dr. Kurt Beiersdörfer die Absicht der Ausstellungsmacher. "Dabei haben wir Wert darauf gelegt, neben den Biographien den gesellschaftlichen Hintergrund zu beleuchten und auch etwas über die technischen Funktionen eines Computers zu vermitteln."

Die Besucherinnen und Besucher erleben auf 700 Quadratmetern in spannenden Inszenierungen und anhand zahlreicher Objekte und interaktiver Installationen, unter welchen Bedingungen Ada Lovelace und ihre Nachfolgerinnen ihre Leistungen vollbrachten. Mit ihrer Leidenschaft, ihren wegweisenden Überlegungen zur Programmierung und den visionären Ideen einer universell einsetzbaren Rechenmaschine steht Ada Lovelace heute stellvertretend für viele Frauen, denen eine gleichwertige Anerkennung bisher versagt blieb.

Denn Ada Lovelace erkannte bereits 1843 die Universalität von Computern weit über deren Funktion als bloße Rechenmaschine hinaus. Sie schrieb das erste Programm für die nie gebaute Analytical Engine des Charles Babbage und verwendete dabei noch heute gültige Prinzipien der Programmierung wie bedingte Verzweigungen, Variablen und Schleifen, 100 Jahre vor den ersten Computern.

Herausragende Objekte

Spannend sind neben den klassischen Museumsobjekten 23 interaktive und multimediale Stationen. Hier bekommt man einiges über die Grundlagen der Programmierung vermittelt. Die Funktion eines Compilers, ohne den ein heutiger Computer nicht funktionieren würde, wird spielerisch über das Setzen von Noten auf einem elektronischen Notenblatt vermittelt. Grafische Benutzeroberflächen und das Grundprinzip der Computersprache Smalltalk wird durch das individuelle Gestalten eines Smileys deutlich.

Herausragend ist die menschenähnliche Roboterdame Nadine, die mit den Ausstellungsgästen spricht, ihren Bewegungen folgt und ihrem Vorbild Prof. Nadia Magnenat-Thalmann verblüffend ähnlich sieht. Einzigartig ist auch das nachempfundene Modul des ENIAC-Computers, an dem Berechnungen wie beim Original vor 70 Jahren ausgeführt werden können.

Frauen aus 75 Jahren Computerentwicklung

Bereits während des 2. Weltkriegs waren Frauen maßgeblich an der Computerentwicklung beteiligt. Die Programmierung des ENIAC, von dem im HNF einige Originalteile zu sehen sind, nahmen vor allem Frauen vor. Ihre Leistungen blieben beinahe 50 Jahre lang unerwähnt, genauso wie die bei der Entschlüsselung der Enigma-Chiffriermaschine im englischen Bletchley Park, an der Tausende Frauen mitarbeiteten. In Deutschland waren während des Krieges Frauen in großer Zahl zur Bewältigung umfangreicher Rechenaufgaben eingesetzt. Dargestellt wird die Arbeit von Rechnerinnen der TH Darmstadt u. a. für das A4(V2)-Raketenprogramm in Peenemünde.

Drei Pionierinnen der Software ist eine weitere Abteilung gewidmet. Grace Hopper ist sicher die bekannteste und legendärste Frau aus der Frühzeit des Computers. Sie war nicht nur erste Admiralin der US-Navy, sondern hat sich vor allem als Entwicklerin des ersten Compilers einen Namen gemacht. Mary Allen Wilkes gilt als erste Nutzerin eines Personal-Heimcomputers, der in der Ausstellung zu sehen ist und für den sie ein Betriebssystem schrieb. Beim heutigen Computer ist die grafische Benutzeroberfläche selbstverständlich, zu der Adele Goldberg im Xerox-PARC Wesentliches beigetragen hat.

Drei weitere Frauen stehen für die globalen und digitalen Fortschritte der letzten Jahrzehnte. Christiane Floyd war 1978 an der TU Berlin die erste Informatik-Professorin in Deutschland. Nadia Magnenat-Thalmann war eine der ersten, die Mitte der 1980er-Jahre für einen computeranimierten Film "virtuelle Menschen" in Gestalt von Marilyn Monroe und Humphrey Bogart entwickelte. Sie leitet das MIRALab in Genf und das internationale Institute for Media Innovation an der TU Nanyang in Singapur. Für die Ausstellung realisierte sie neben der Software für Roboterdame Nadine eine "virtuelle Ada", die die Besucher beim Verlassen der Ausstellung begleitet.

Die aktuelle Generation repräsentiert die MIT-Absolventin Limor Fried, die vor allem in der aktuellen Maker- und Open-Source-Szene aktiv ist und 2011 als einflussreichste Frau in der Technologiebranche ausgezeichnet wurde.

Die Lebensgeschichten sind in die gesellschaftlichen und sozialhistorischen Hintergründe eingeordnet, sodass die Ausstellung auch einen wesentlichen Einblick in das Frauenbild und den Wertewandel der letzten anderthalb Jahrhunderte bietet.

Schirmherrschaft Bundesbildungsministerin

Die Schirmherrschaft hat die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka übernommen, die die Ausstellung zusammen mit NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann am 1. September eröffnet.

Im Paderborner Wilhelm Fink Verlag ist ein Begleitband erschienen, in dem namhafte Expertinnen und Experten Themen der Ausstellung vertiefen. Herausgeberin ist die Philosophie-Professorin Prof. Dr. Sybille Krämer von der Freien Universität Berlin.

Wie im HNF üblich wird die Ausstellung von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet. Dazu gehören Vorträge, Workshops und museumspädagogische Angebote. Größere Events gibt es am internationalen Ada Lovelace Day am 13. Oktober mit freiem Eintritt in die Sonderausstellung und speziellen Angeboten vor allem für Jugendliche. Am Geburtstag der Protagonistin am 10. Dezember wird abends eine eigens geschaffene Medienperformance im HNF aufgeführt. Impro-Theater und die Paderborner Kneipenleser ergänzen das Begleitprogramm zur Ausstellung.

Die Gestaltung von "Am Anfang war Ada" hat die Berliner Agentur Archimedes übernommen, die für das HNF bereits die großen Ausstellungen Computer.Medizin und Computer.Sport umgesetzt hat.

Führungen durch die Ausstellung dauern eine Stunde und werden in Deutsch und Englisch angeboten.

Der Eintritt für Erwachsene beträgt drei Euro, ermäßigt die Hälfte. Für Besucherinnen und Besucher der Dauerausstellung des HNF und von "Am Anfang war Ada" gibt es Sonderpreise. Schulklassen haben wie immer im HNF kostenlosen Eintritt nach vorheriger Anmeldung.

Mehr Informationen im Internet auf www.hnf.de/adalovelace

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