27.06.2017

20 Jahre Geschäftsführer des HNF

Dr. Kurt Beiersdörfer geht in Ruhestand

Begrüßung von Bundespräsidenten, erfolgreiche Sonderausstellungen und Tausende Veranstaltungen: Dr. Kurt Beiersdörfer hat die letzten zwei Jahrzehnte des Heinz Nixdorf MuseumsForums (HNF) in verantwortlicher Position maßgeblich geprägt. Als Geschäftsführer des weltgrößten Computermuseums war er für die Veranstaltungen, das Marketing und zahlreiche Sonderausstellungen verantwortlich. Ende Juli geht er nun nach über 20 Jahren in den Ruhestand.

Der Vorsitzende der Heinz Nixdorf Stiftung und der Stiftung Westfalen, Martin Nixdorf, würdigte Beiersdörfers Verdienste: "Er hat das Forum des HNF ausgezeichnet mit Leben gefüllt, und so die Einzigartigkeit unseres Hauses mit bewirkt."

Als der gebürtige Ludwigshafener im März 1996 nach Paderborn kam, war das HNF noch in der Aufbauphase. Hinter ihm lagen ein Studium der Philosophie, Soziologie, Politologie und der Betriebswirtschaft in Heidelberg, Paris, Aix-en Provence sowie am Henley Management College in London. Mehr als zehn Jahre hatte er bei der Robert Bosch Stiftung in Stuttgart gearbeitet.

Nun wartete an der Fürstenallee eine besondere Herausforderung: In einem halben Jahr sollte das HNF von Bundeskanzler Helmut Kohl eröffnet werden und Beiersdörfer erhielt vom damaligen Vorsitzenden der Heinz Nixdorf Stiftung Dr. Gerhard Schmidt den Auftrag, die Feierlichkeiten zu organisieren. Nachdem der Kanzler das Haus eröffnet hatte und die ersten Besucher strömten, beförderte die Stiftung Beiersdörfer neben Norbert Ryska und Theodor Rode zum Geschäftsführer.

Sein Hauptaufgabengebiet war es, den Forumsbereich aufzubauen und das Museum auch als Veranstaltungszentrum zu etablieren. Zahlreiche Tagungen, Großveranstaltungen und knapp 50 Vortagsreihen haben seitdem das Programm des HNF geprägt. Besonderen Wert legte der 65-Jährige dabei auf die Verknüpfung von Information und Unterhaltung. Die von ihm ins Leben gerufenen Familientage lockten Tausende von Eltern mit ihren Kindern an, ein paar kurzweilige Stunden im Museum zu verbringen, aber immer auch einiges über das weite Feld der Informationstechnik zu erfahren.

Ab 1998 organisierte Beiersdörfer die hochrangig besetzte Veranstaltungsreihe "Paderborner Podium", durch die zahlreiche Prominente aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft den Weg in die Paderstadt fanden.

Ein besonderes Anliegen war es dem vierfachen Familienvater stets, die Themen des HNF Schülerinnen und Schülern nahezubringen. "Junge Menschen für Mathematik, Informatik Naturwissenschaft und Technik (MINT) zu begeistern, ist eine der Hauptaufgaben des HNF", so Beiersdörfer. Ausdruck dieser Begeisterung für die MINT-Förderung sind das 2009 ins Leben gerufene Schülerlabor coolMINT.paderborn sowie das 2013 gegründete Schülerforschungszentrum coolMINT.forscht, die beide von der Universität und dem HNF gemeinsam getragen werden. Zahlreiche Schülerwettbewerbe im HNF wie Jugend forscht, aber auch die seit 2010 jährlich von Stadt, Universität und HNF organisierten Paderborner Wissenschaftstage runden das Bild ab.

Ein Lieblingsthema neben der MINT-Förderung verfolgt Beiersdörfer bereits seit langem: die sogenannte Künstliche Intelligenz (KI). "Das ist nicht nur eine Thema der Informatik, sondern hat wirtschaftliche, gesellschaftliche, ja menschheitsgeschichtliche Bedeutung", ist Beiersdörfer überzeugt.

Diese Begeisterung schlug sich in der 2001 eröffneten Ausstellung Computer.Gehirn nieder, die damals sensationelle Objekte wie einen selbst gehenden Roboter zeigte. Über 80.000 Besucher strömten in das Museum und staunten über ein Forschungsgebiet, das heute mit selbstfahrenden Autos und intelligenten Assistenzsystemen den Alltag erobert. Mit der Nachfolgeausstellung Computer.Medizin erzielte das HNF den bis heute gültigen Rekord mit 93.500 Besuchern. Computer.Sport beendete 2009 die heute beinahe schon legendäre Reihe dieses Ausstellungsformats.

In letzter Zeit bewies Beiersdörfer mit der Ausstellung "Am Anfang war Ada" Gespür für den Zeitgeist. Die Präsentation über Frauen in der Computergeschichte brachte das Paderborner Museum bundesweit und international in die Schlagzeilen.

Mit einer "Finissage" endet am 6. Juli die Arbeit von Beiersdörfer für das HNF. Der Leiter des Bielefelder Forschungszentrums CITEC Prof. Dr. Helge Ritter wird über die "Entwicklung der Künstlichen Intelligenz" vor Freunden und Weggefährten sprechen.

Die durch die Pensionierung gewonnene Zeit wird Beiersdörfer nutzen, indem er mit seiner Frau und zwei erwachsenen Kindern auf dem Segelboot der Familie auf "große Fahrt" geht.

Bereits seit 2013 ist Dr. Jochen Viehoff als Nachfolger von Norbert Ryska Geschäftsführer des HNF. Er wird nach dem Ausscheiden von Beiersdörfer die Geschicke des Hauses alleine verantworten.

« Zurück