Foyerausstellung: Helfer oder Fälscher? Computer im Wahleinsatz

Blick in die Ausstellung
Wahlgerät Nedap ESD2
Lochkarten-Wahlmaschine CES Votomatic
Medienkunstinstallation The Furer

3. September bis 12. November 2017

Sie unterstützen die Wahlorganisation, aber sie können auch der Manipulation dienen: Computer sind als Helfer willkommen, als Fälscher gefürchtet. Die Ausstellung bietet einen Überblick über aktuelle und historische Wahlcomputer und -geräte.

Präsentiert wird ein Apparat der niederländischen Firma Nedap, wie er seit 1999 in Langen/Hessen und anderen Städten im Einsatz war. Die einfache Bedienung und eine schnelle Auswertung der Ergebnisse schienen die Zukunft des Wählens zu sein. Eine deutsch-niederländische Hackergruppe zeigte jedoch im Fernsehen, wie man in Sekunden den Speicher und damit das Ergebnis manipulieren kann. Zwei Wahlprüfungsbeschwerden führten 2009 zum Aus der Geräte durch das Bundesverfassungsgericht.

Robust kommt das mechanische Wahlgerät Schematus daher, bei dem durch das Ziehen eines Knopfes die Stimme einer Partei zugeordnet wurde. Seit 1973 setzte es die Stadt Dietzenbach ein, zuletzt bei der Kommunalwahl 1997.

Kurios wirkt die Wahlmaschine Votomatic aus den USA, bei der die Wähler ein Loch stanzen mussten. Seit Mitte der 1960er-Jahre wurden solche Lochkartenmaschinen in den USA eingesetzt. Spektakuläre Berühmtheit erlangten die Geräte im Jahr 2000 bei der Präsidentschaftswahl, als wochenlang über die Stanzung der Löcher auf den Wahlscheinen in Florida diskutiert wurde und George W. Bush äußerst knapp gegen Al Gore gewann.

Um elektronische Wahlverfahren nachprüfbar zu machen, haben Forscher am Karlsruher Institut für Technologie um Prof. Dr. Jörn Müller-Quade das „Bingo-Voting“ entwickelt. Es handelt sich um ein kryptographisches Verfahren, wodurch dem Wähler bewiesen wird, dass seine Stimme korrekt angenommen wurde und in das Wahlergebnis eingeht. Die Besucher im HNF können das System anhand eines von Wincor Nixdorf realisierten Systems ausprobieren.

Auch der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung steht in der Ausstellung zum Ausprobieren bereit. Er informiert über die Programme der Parteien zur Bundestagswahl und stellt fest, welche persönlichen Vorlieben mit welchen Parteiprogrammen übereinstimmen.

Ergänzt wird die Ausstellung durch die Medienkunstinstallation „The Furer“ der Kölner Künstlervereinigung „fur“ um Volker Morawe und Tilmann Reiff. Sie war bereits in Polen, Ungarn und einigen anderen Ländern zu sehen. Eine Holzpuppe gibt die Ansprachen berühmter Redner und Politiker wider und fordert uns damit heraus, über die Rhetorik und den Inhalt von Reden generell nachzudenken.

Eintritt frei!

Eröffnung

Die Foyerausstellung wird am 2. September um 14 Uhr mit einem neuen Veranstaltungsformat eröffnet. Drei Vorträge beschäftigen sich mit dem aktuellen Thema »Wahlen« aus verschiedenen Perspektiven.

Infos und Online-Anmeldung