
"Erziehung für das 21. Jahrhundert,
Werte - Wissen - Fähigkeiten im Informationszeitalter"
| Begrüßungsrede von Dr. Kurt Beiersdörfer | |
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Sehr geehrte Frau Dr. Vollmer, sehr geehrte Frau Nixdorf, sehr verehrte Damen, meine Herren, ich begrüße Sie herzlich im Heinz Nixdorf MuseumsForum zur Eröffnung des Paderborner Podiums. Ich freue mich sehr, daß Sie so zahlreich unserer Einladung gefolgt sind, um etwas über das Thema der heutigen Auftaktveranstaltung "Erziehung für das 21. Jahrhundert - Werte, Wissen und Fähigkeiten im Informationszeitalter" zu erfahren. Bevor ich Sie in den Tagungsablauf einführe und Ihnen die Referenten des heutigen Vormittags vorstelle, kurz einige Worte zum HNF, in dem wir uns hier befinden. Wie Sie dem eben abgelaufenen Kinospot entnehmen konnten ist das HNF das größte Computermuseum der Welt. Das haben wir von "höchster Stelle" in dieser Beziehung - dem Guinness Buch der Rekorde - bestätigt bekommen. Zugleich sind wir aber viel mehr als ein Computermuseum. In diesem Haus wird Kulturgeschichte gezeigt. Im HNF geht es um die ganze Geschichte der Kulturtechniken des Schreibens, Rechnens, Zeichnens, Steuerns und Kommunizierens. Wenn Sie im Verlauf des heutigen Tages das Museum in den beiden Etagen über uns besuchen, erleben Sie - an Beispielen - die kulturhistorisch aufgearbeitete Darstellung von 5.000 Jahren Geschichte der Informations- und Kommunikationstechnik. Sie können sich über die uralte Technik des Abakus ebenso informieren wie über die neuesten Entwicklungen in den künstlichen Welten des Cyberspace. Und das auf 6.000 qm Ausstellungsfläche. Wir laden Sie herzlich dazu ein. Manche werden jetzt fragen: Warum findet in solch einem Haus eine Veranstaltung zum Thema "Erziehung" statt? Soll Erziehung etwa technisiert werden? Das führt uns zum Kern der Konzeption des HNF. Wir verstehen uns nicht als ein Technikmuseum im engeren Sinn, sondern als eine allgemeine Bildungseinrichtung im jetzt beginnenden Informationszeitalter. Das Museum, d.h. die Dauerausstellung erfüllt einen wichtigen Teil dieses Bildungsauftrags. Wir sind aber - wie der Name schon sagt - eben auch ein Forum, in dem ein inzwischen umfängliches Veranstaltungsprogramm angeboten wird. Hier greifen wir Themen auf, die mit Informationstechnik und deren Auswirkungen auf die Menschen und die Gesellschaft zu tun haben. Wenn Sie einen Blick auf unsere Plakate oder in unseren Newsletter werfen, sehen Sie, daß wir eine breite Palette von Veranstaltungen anbieten. Hier sind Kinder und Erwachsene, Jugendliche und Senioren, Laien und Fachleute gleichermaßen angesprochen. Heute aber wollen wir eine neue, besondere Veranstaltungsreihe eröffnen: das Paderborner Podium. Diese Reihe wird sich dadurch auszeichnen, daß die Themen weiter, die Beteiligung prominenter und die Antworten fundierter - J noch fundierter - sind, als bei den sonstigen Veranstaltungen. Eine weitere Besonderheit ist: Wir wollen noch stärker vom Menschen ausgehen. Der Mensch steht beim Paderborner Podium im Mittelpunkt der Betrachtungen und Überlegungen. Daher sehen Sie in der Eingangshalle rechts das die Stockwerke durchdringende "Segel" mit dem Wort "Mensch" in vielen Sprachen und symbolischen Darstellungen. Die Technik - auch die Informationstechnik - soll dem Menschen dienen. Daher werden wir in der Reihe des Paderborner Podiums Themen bearbeiten, die bei grundlegenden Fragen des Menschseins in unserer modernen Gesellschaft, im jetzt beginnenden Informationszeitalter ansetzen. So auch heute: Der Mensch wird zum Menschen durch Erziehung. Dabei haben den Erziehern schon immer Kulturtechniken geholfen. Kulturtechniken, die ja zum Teil hier im Haus in ihrer geschichtlichen Entwicklung gezeigt werden. Aber Menschsein umfaßt eben viel mehr als Technikbeherrschung und Erziehen viel mehr als Technikvermittlung. Fundiertes pädagogisches Denken wird sicherlich auch die Frage behandeln, inwieweit die Mittel zum Selbstzweck werden können, inwieweit das Medium selbst zur Botschaft wird. Zweifelsfrei ist ja der Bereich, insbesondere der neuen Medien neben Familie, Schule, Peergroup und gesellschaftlichen Gruppierungen zu einer weiteren, wichtigen Sozialisationsinstanz geworden, die das Denken, das Handeln und die Werte junger Menschen stark beeinflußt. Ich möchte nicht der Diskussion des heutigen Tages vorweg greifen. Eins aber ist zu betonen: Der Titel der Veranstaltung heißt "Erziehung für das 21. Jahrhundert", und nicht "Bildung". Sicher, Bildung und Erziehung gehören zusammen. Daß wir Erziehung zum Thema gemacht haben, soll jedoch darauf verweisen, daß es uns nicht um formale Bildung, um ein technisch enges Verständnis von Wissensvermittlung geht, sondern um "Menschenbildung". Auch im Informationszeitalter ist Erziehung in diesem Sinne nötig. Computer können nicht erziehen. Angesichts von Datenmüll und Informationsflut, einer durch Medien vermittelten Vielzahl von konkurrierenden und einander ausschließenden Vorbildern und Werthaltungen ist Erziehung vielleicht sogar nötiger denn je. Es würde uns jedenfalls freuen, wenn wir mit dieser Veranstaltung viele Menschen ermuntern oder weiter darin bestärken könnten, Erziehung als wichtige Aufgabe, als lohnende Herausforderung zu sehen. Damit sind nicht nur die Lehrer gemeint, sondern insbesondere auch die Eltern, die Erzieher in den Kindergärten und alle anderen, die mit jungen Menschen zu tun haben. Zukünftige Veranstaltungen des Paderborner Podiums werden andere als Erziehungsfragen aufgreifen. Im nächsten Frühjahr behandeln wir z.B. das Thema "Weiterentwicklung der Demokratie". In der heutigen Auftaktveranstaltung geht es jedoch um die Vorbereitung der jungen Generation auf das Leben im 21. Jahrhundert. Es geht um die Fragen:
Das sind wahrlich grundlegende Fragen und Probleme. Die reiche Lebenserfahrung und der Fundus wissenschaftlicher Einsichten der Referenten des heutigen Vormittags machen mich sicher, daß wir auf diese Fragen befriedigende Antworten erhalten. Bevor wir dazu kommen, ein Ausblick auf das Ganze: Sicher haben Sie schon wahrgenommen, daß diese Veranstaltung von einer Sonderausstellung auf unserer Wechselausstellungsfläche begleitet wird. Dem liegt die Überlegung zugrunde, daß wir - gerade wenn wir über Erziehung sprechen - auch über gute Beispiele und Vorbilder reden müssen. Deshalb haben wir vier bzw. fünf Bereiche ausgewählt, die man auch als Erziehungsziele definieren kann, und stellen diese anhand praktischer Projekte zur Diskussion. Diese sind:
Wir sind uns völlig bewußt, daß man die Auswahl auch anders hätte treffen können. Allerdings haben wir diese Bereiche, nach Gesprächen mit Fachleuten als wichtig angesehen. Die gewählten Erziehungsziele werden durch stiftungsgeförderte Praxisprojekte repräsentiert, wobei ich mir den Hinweis erlaube, daß viele der Projekte durch die Heinz Nixdorf Stiftung gefördert oder mitgefördert werden. Die Veranstaltung ist damit auch eine Demonstration dessen, was durch private Initiative, durch bürgerschaftliches Engagement in unserer Gesellschaft geleistet werden kann. Denn das Engagement privater Stiftungen zum Wohle der Allgemeinheit ist eine besondere und herausragende Form des bürgerschaftlichen Engagements. Draußen im Foyer stellen darüber hinaus eine Reihe von bundes- oder landesweit wichtigen Institutionen praktische Projekte vor, die einen Bezug zu unserem Veranstaltungsthema aufweisen. Ich darf an dieser Stelle allen beteiligten Stiftungen, den Kirchen, Verbänden und sonstigen Einrichtungen - aber auch allen internen und externen Helfern - dafür danken, daß sie sich so tatkräftig an der Vorbereitung dieser Veranstaltung beteiligt haben. Ansonsten darf ich Sie noch darauf hinweisen, daß wir im Foyer ein "Internetcafé" eingerichtet haben und daß unsere digitale Werkbank im 2.Obergeschoß mit zahlreichen Computeranwendungen vorbereitet ist, die unser Thema aufgreifen. Im Vordergrund steht jedoch unsere Sonderausstellung und hier ist es uns besonders wichtig, daß wir mit den dort vorgestellten Praxis-Projekten diejenigen eingebunden haben, über die zu reden ist: Jugendliche und Erziehende. Wir möchten im HNF nicht - oder nicht nur - über, sondern vor allem mit den Betroffenen sprechen. Daher sind heute viele Jugendliche, Lehrer, Erzieher und Eltern bei uns, die ich an dieser Stelle besonders herzlich begrüßen möchte. Sie sind heute anwesend als Teilnehmer und Mitdiskutanten, vor allem aber auch als Aussteller und Mitakteure. Neben den 150 Vertretern der Praxisprojekte haben wir ca. 80 junge Teilnehmer, die als Schülerredakteure über diese Veranstaltung berichten werden, die als Videoteam unsere Diskussionen aufzeichnen oder als Internetgruppe die Reden live in das worldwide Web einspeisen, so daß Menschen in aller Welt heute unsere Beratung verfolgen können. Heute nachmittag werden sich neben den Stiftungsvertretern vier junge Teilnehmer an der Podiumsdiskussion beteiligen und es werden vier Jugendliche dem Herrn Bundespräsidenten nach seinem Eintreffen über den bisherigen Verlauf der Tagung berichten. Ich freue mich sehr, daß wir so viele junge Menschen gefunden haben, die sich begeistert und engagiert beteiligen. Ich bin mir sicher, daß dies auch Heinz Nixdorf gefreut hätte, der zeit seines Lebens sehr viel für die Jugend getan hat. Wir alle freuen uns natürlich auf das Eintreffen des Herrn Bundespräsidenten am späteren Nachmittag. Es ist uns eine besondere Ehre, daß der Präsident das Paderborner Podium mit einer Grundsatzrede eröffnen wird. Genug der Vorrede: Ich darf nun die Referenten des heutigen Vormittags vorstellen. |

